Vor bald schon drei Jahren habe ich das Verhalten der ISP zu IPv6 albern genannt. Das war in der Zeit der Counter auf das Auslaufen verfügbarer IPv4 - Adressen bei der IANA. Das ist nun schon graue Vergangenheit, IANA steht seit dem 3.2. 2011 auf 0 und inzwischen stehen APNIC (Asien/Pacific) und RIPE (Europa) mit 17, 18 Mio restlicher legacy IPs am dichtesten an der Kante. Oder noch weniger, Ripe hat jedenfalls am 14.9.2012 die letzte Schnitte ausgerufen.
Da rast der Zug also mit relativ vorhersehbarem Tempo auf's Gleisende zu.

Und bei den ISPs? Fast alles wie gehabt, mein Anruf bei der Alice-Hotline erwischt den Mitarbeiter dort auf dem falschen Fuss, weil er mit dem Begriff IPv6 grade nichts zu verbinden weiss. Gelegentlich findet man in Foren einen Beitrag von ISP-Mitarbeitern, die versichern, das Kundeninteresse im Auge IPv6 zeitnah einführen zu wollen, beharrliches Quengeln stösst auf nichts als Ausreden.
Kabel-anbieter (Kabel Deutschland, Kabel BW) geben IPv6, aber selbst wo es technisch möglich sein sollte, kann man sie nicht unbedingt bekommen. Ich zum Beispiel; auf der anderen Strassenseite ist Kabel Deutschland verfügbar aber ich wohne in einem Block, der bei irgendeiner undurchsichtigen Aufteilung von Interessensgebieten der seinerzeitigen Fernsehkabelanbieter einem anderen Oligopolisten zugeschlagen wurde.  

Aber jetzt gibt es wirklich mal Bewegung: angeblich seit September richtet die Telekom für Neukunden-anschlüsse Dual Stack ein. Neukunden heisst: das gibt es nur für sg. NG-Anschlüsse (bei denen die Telefonie letztlich via VOIP umgesetzt ist.)

Altkunden und Leute, die gern ihren ISDN-Anschluss (der auch bei Stromausfall noch funktioniert und mit Fax keine Probleme macht) behalten wollen, kriegen es aber nicht.  

Einen Überblick über den (Still)Stand bei den ISPs gibt Lutz Donnerhackes Artikel auf 
http://lutz.donnerhacke.de/Blog/IPv6-Wo-stehen-wir-im-Plan

Und, ergänzt aus Thomas Schäfers Kommentar (unten) noch eine interaktive Browser-Statistik. 
http://www.vyncke.org/ipv6status/compare.php?metric=p&countries=us,fr,jp,de,kr

Letztere sieht die Lage vom anderen Ende her an und zählt eben auch Tunnelanten (wie Thomas und mich) mit, aber es ist tatsächlich seit Oktober ein leiser Aufwärtstrend erkennbar. Frankreich weit voraus und Südkorea als Gegenbeispiel.

Update:
Slashdot, selbst immer noch ohne ipv6, hat einen post zum Thema. Gefühltes Resumee: in Amiland kommt langsam Bewegung in die Sache, ein großer Provider, comcast, bietet native IPv6 und andere Anbieter scheinen in Vorbereitung zu sein. Wie üblich nimmt das aesthetische Argument (die neuen IPs sind so lang / schlecht durchs Telefon zu sagen / iih, Buchstaben und Doppelpunkte) und die folgende Diskussion zu dhcpv6 erheblichen Raum ein.
Interessant ist vllt, dass der Vorreiter comcast mit einem Schwerpunkt seines Geschäfts Kabelanbieter ist. Hat das etwas mit der an die Endkunden verteilten Hardware zu tun oder warum sind Kabelanbieter in dieser Hinsicht anscheinend wendiger / innovationsfreundlicher?

Ts, ich entsinne mich an Zeiten, als die technointeressierte Crowd, die sich im Internet organisierte / begegnete, scharf war auf Neuerungen, neue Versionen, erweiterte Protokolle, was nicht. Bunte Vergangenheit!

Update 2:
Telekom - IPv6-user gibt es wirklich - dieses kleine Blog hatte den ersten Besucher aus 2003:: am 15.9.2012
 

update 3:
Ich habe da ein kleines plugin fuer Piwik entdeckt, dass IPv4 vs IP6 traffic mitzaehlt. Vllt gibt es dazu bald einen eigenen Eintrag,  erste Tageswerte liegen bei 5-6% IPv6. Vorne dran scheint KabelBW, Tunneln (HE, Sixxs) und dann mal Unitymedia, mal M-Net, mal Telekom.

update 4:
Seit Mitte Januar zählt mir Piwik nun die beiden Protokolle aus und, mal den Februar im ganzen genommen, erreichen mich tatsächlich 5% der Besucher via IPv6. Auch von der Verteilung bestaetigt sich das Bild (gefühlt! ich mache immer mal einen whois auf v6er, aber ohne jeden methodischen Anspruch): Vorne dran die Kabelnetze, dicht gefolgt von den Tunnelanten und dann der Rest als Streufeld: Google, Dassault-systems, Telekom, das chin. Universitätsnetz und quasi ein Cluster von Klein- und Kleinstanbietern aus Bayern. 
Gemessen an den repräsentativen Statistiken sind 5% natürlich ungewöhnlich viel. 
 
update 5:
Die Schweiz, Rumänien, Frankreich und Letzeburg liegen inzwischen mit 10 - 5% IPV6-Nutzung vorne in der Statistik, Deutschland nähert sich sachte den 3%, mit einer auffällig stetigen Kurve. Fast möchte man sagen, verdächtig stetig - Sprünge nach oben wären bei Ereignissen wie "weiterer ISP schaltet IPV6 frei" zu erwarten, Sprünge nach unten bei Ausfällen. Beides scheint in DE nicht vorzukommen. 
Die Zahlen sind nur ca. zutreffend, denn angesichts der anhaltenden Blockade seitens der ISP haben Tunnelanten einiges Gewicht. Und da zieht Sixx Traffik-anteile nach Kerneuropa, während meine Nutzung (via HE) andererseits die Statistik der US auspolstert.
 

XP, IPv6 und die Browser

Friday, February 4. 2011

Auch als vm unter vbox eine windwos xp aufgesetzt bzw genauer: eine vmware-vmdk eingebunden und noch ein wenig aufgeräumt. Das ist ja nun wirklich ein sehr angenehmes Feature, dass man VirtuelleMaschinen anderer Formate so einfach einbinden kann. 
Das XP auf SP3 gebracht und dann mal nur zum Test IPv6 aktiviert:

Dazu geht man auf den Eigenschafts-Dialog der Netzwerkkarte und klickt auf hinzufuegen/Protokolle/IPv6.

Die Unterstuetzung fuer IPv6 ist aber scheints nicht ganz vollstaendig oder jedenfalls nicht so fugenlos wie mit Linux oder Windows 7. Von der Kommandozeile aus geht ein ping heise.de problemlos ueber IPv6, auch tracert bevorzugt IPv6. Aber Google Chrome erkennt den IPv6-Stack nicht und zeigt dual stack Webseiten nur per IPv4. Der MSIE6 dagegen überrascht mit IPv6-Fähigkeit. Und Firefox holt auf http://test-ipv6.com/ zweimal 10/10 Punkten. 

Also, geht doch. Nur die ISPs sind Vollversager .

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