TOR Exit-Node. Eine Zeitleiste.

Tuesday, January 6. 2015

Es gibt da den Satz, einen TOR-Exitnode zu betreiben gehöre zu den letzten verbliebenen Abenteuern in Deutschland. Als ich den las, steckte ich schon mittendrin in meinem. Eine Zeitleiste:

 
2010 im Sommer ca. einen Monat lang einen TOR-Knoten als Exitnode betrieben. Laut Ermittlungsakte hat irgendwer in der Zeit eine kp-Datei von dort auf einen anderen Server des Nürnberger Rechenzentrums hochgeladen.
 
2010 Anfang Dezember morgens um 6h 3 LKA-Beamte in Ritterrüstung und Abtransport fast(*) aller Datenträger und Rechner (inklusive 5 1/4" und 3,5" und ZIP-Disketten, uralt-Kamera-Speicherkarten, mp3-Player).
* headless laufende Server in unkonventionellen Gehäusen werden nicht unbedingt als Computer erkannt.
 
2011 Für 60€ bei 30GB kopiert mir das LKA als Dienstleistung (Werkvertrag) ein bestimmtes Verzeichnis auf eine externe HD, das geht nach rd. zwei Monaten über die Bühne. Läuft natürlich nur mit unverschlüsselten Daten und man muss exakt sagen können, wo/wie benannt die Daten liegen. USB-Sticks und iPod bekomme ich gleich mit zurück. Der Kommissar erklärt am Rande mit gewissem Stolz, dass er gar keine Ahnung von Computern und Netzwerken hat, also TOR und so...
 
2011 im Juli ist mein Kommissar mit den Hunderten von Backup-DVDs und Master-CDs fertig und ich darf zwei Ikea-Taschen an Datenträgern abholen. 
 
2013 ein Vierteljahr nach Verstreichen eines avisierten Abschlusstermins berichtet der Kommissar von katastrophal vielen Neuzugängen, er knetet die Hände, ihm ist das peinlich. Eigentlich ist er ein netter Kerl, aber halt Beamter.
 
2014 Anfang März bekomme ich die Hardware bis auf 2 HD, auf denen angeblich Kopien einer beanstandeten Datei seien, zurück. Weder Dateiname noch Abbild der monierten Datei werden genannt. Kann man glauben oder es für das absolute Minimum von Gesicht-wahren nach rd. 40 Monaten Prüfung halten. 
 
Vor der Übergabe klagt mein Kommissar, da seien ja mehrere Partitionen und ganze Festplatten verschlüsselt, ob ich nicht die Schlüssel angeben wolle. Nun ja, Nein. Da haben Sie jetzt die richtige Antwort gegeben, findet der Kommissar, denn der Staatsanwalt habe entschieden, dass mir die Platten auch in diesem Falle zurückzugeben seien.
 
Die Hardware war erstaunlich wohl behalten, auch der Mac mini ohne Kratzspuren geöffnet. Nur alles mit ekligen Aufklebern bepappt. Aber nach dreieinhalb Jahren kann man die Sachen ohnehin kaum noch gebrauchen.
 
Kurz vor dem 4. Jahrestag wird das Verfahren schliesslich wegen Geringfügigkeit und gegen die Dreingabe der beiden Festplatten eingestellt. Ein Verhör, inhaltliche Anhörung zum Thema TOR etc. gab es in den 47 Monaten nicht.
 
Zu den Kollateralschäden zählt meine vorige freiberufliche Existenz und ein kostspieliger Streit mit dem Finanzamt. Auf der Habenseite bleibt neben einem Lehrstück zu Inkompetenz und Überforderung, zum Stand der Achtung der Grundrechte und dem Wert des Richtervorbealtes die Erkenntnis, dass LUKS und truecrypt bislang offenbar polizeisicher sind. Dass extern gelagertes Backup wirklich nützlich sein kann. Und dass man zwar viel Nerven und Geduld braucht, sich aber nicht einschüchtern lassen muss.
 
 
 
 


Trackbacks


Trackback specific URI for this entry
    No Trackbacks

Comments


    No comments

Add Comment

Enclosing asterisks marks text as bold (*word*), underscore are made via _word_.
Standard emoticons like :-) and ;-) are converted to images.
E-Mail addresses will not be displayed and will only be used for E-Mail notifications.

To prevent automated Bots from commentspamming, please enter the string you see in the image below in the appropriate input box. Your comment will only be submitted if the strings match. Please ensure that your browser supports and accepts cookies, or your comment cannot be verified correctly.
CAPTCHA